Kawasaki VN 800 — Ausgleichswellendämpfer tauschen

Kawasaki VN 800 — Ausgleichswellendämpfer tauschen oder: Warum deine Werkstatt keine Ahnung hat und du es selbst machen solltest

Ausgleichswellendämpfer vn 800

Ich schreibe diesen Artikel weil ich es selbst erlebt habe. Die VN 800 ist eine der zuverlässigsten Maschinen die ich je besessen habe — fast unkaputtbar, sagen alle. Stimmt auch. Fast.

Der eine Punkt wo sie zickt, wo sie dich kirre macht, wo Werkstätten mit den Schultern zucken und Dinge sagen die man nicht hören will — das sind die Ausgleichswellendämpfer. Kleine Gummiteile. Lächerlich billig. Und wenn sie durch sind, klingt deine VN 800 als würde da jemand mit einem Hammer gegen den Motor schlagen.

Ich hab den Tausch selbst gemacht. Danach fühlte sich die Maschine an wie neu. Kein Witz — wie ein anderes Motorrad.

Hier ist wie es geht.

Erst verstehen was da eigentlich passiert

Die Ausgleichswelle auf der linken Motorseite sitzt auf Gummidämpfern. Die federn Stöße ab, halten alles ruhig. Mit der Zeit werden die Gummis hart, schrumpfen, verlieren ihre Wirkung — und dann entsteht Spiel wo kein Spiel sein sollte.

Kawasaki schreibt übrigens kein Wartungsintervall dafür vor. Man merkt es erst wenn es so weit ist. Und „so weit“ kann sein:

  • Oft erst nach 24.000 km oder mehr
  • Manchmal schon bei 12.000 km
  • In Extremfällen unter 5.000 km

Harte Fahrweise und schlechte Ölwechsel beschleunigen das. Die Konstruktion selbst tut ihr Übriges.


Die Symptome — und wie man sie richtig liest

Stufe 1 — sie kündigt es an

Ruckeln, Zuckeln, ein leichtes Rappeln wenn du aus niedrigen Drehzahlen beschleunigst. Im Schiebebetrieb oder bei konstanter Drehzahl kaum spürbar. Du denkst: vielleicht Vergaser. Vielleicht Zündung. Vielleicht Einbildung.

Es ist keins von beidem.

Stufe 2 — sie meint es ernst

Harte Klopfgeräusche schon im Leerlauf wenn du kurz Gas gibst. Beim Anfahren deutlich hörbar. Das Zahnrad lässt sich spürbar verdrehen — der Mitnehmerzapfen schlägt an. Wenn du im Ölsieb Metallspäne findest: sofort aufhören zu fahren.

Stufe 3 — das untrügliche Zeichen 😄

Die Werkstatt sagt:

„Das ist normal.“ „Ich kann nichts feststellen.“ „Da kann man nur warten bis sich etwas verabschiedet.“

Übersetzt bedeutet das: keine Ahnung wovon du redest. Kenn ich. Hab ich erlebt. Mach es selbst.


WaWas du brauchst

Ersatzteile — und das ist das Schöne: spotbillig.

Teile-Nr.BeschreibungStückEinzelpreisGesamt
92160-1582Dämpfer46,30 €25,20 €
92075-1748Dämpfer Ausgleichselement27,61 €15,22 €
11060-1089LiMa-Deckeldichtung110,21 €10,21 €
Gesamt50,63 €

Dazu brauchst du frisches Öl und einen neuen Filter — beides kannst du gleich mitbestellen:

Werkzeug — was du wirklich brauchst:

Außerdem brauchst du: Ölauffangschale, Trichter, Knarrenkasten mit Rundkopf-Inbus-Steckschlüsseln, Alkohol zum Entfetten, und die Abrückschraube M18×1,5×60 — gehärtet, Spitze abgerundet. Die bekommst du beim Motorradhändler oder Stahlhandel — die gibt es nicht fertig auf Amazon, aber ohne die wird’s ein Krampf.

Die Links oben führen zu Amazon. Wenn du darüber bestellst, kostet dich das keinen Cent extra — hilft mir aber diese Seite am Laufen zu halten. Win-win.


So geht’s — Schritt für Schritt

  1. Öl warmfahren, dann ablassen. Ölfilter und Ölsieb raus, reinigen.
  2. Ölablassschraube mit neuer Dichtung rein: 20 Nm.
  3. Neuen Ölfilter montieren: 20 Nm.
  4. Ölsieb wieder rein: 20 Nm.
  5. Ritzelabdeckung ab, Bereich sauber machen.
  6. LiMa-Deckelbereich reinigen.
  7. Linke Fußraste abklappen, Kabelschellen öffnen, Deckelschrauben raus.
  8. LiMa-Deckel abnehmen — nicht zwischen die Dichtflächen hebeln. Einmal gehebelt, einmal neue Dichtfläche ruiniert.
  9. Rotor entfetten, Schrauben lösen.
  10. Abrückschraube M18×1,5 einsetzen → Rotor sauber abdrücken.
  11. Rotor abnehmen, Zahnrad auf Verschleiß prüfen.
  12. Zahnrad abziehen → jetzt siehst du sie: die Gummidämpfer. Raus damit.
  13. Neue Dämpfer in gleicher Anordnung einsetzen — Reihenfolge merken oder vorher fotografieren.
  14. Zahnrad ausrichten — Markierungen beachten, das ist kein Detail das man ignoriert.
  15. Rotor montieren, Markierungen deckungsgleich.
  16. Schrauben reinigen, Schraubensicherung drauf.
  17. Zahnradschraube: 70 Nm — Rotorschraube: 155 Nm.
  18. Dichtflächen reinigen, neue Dichtung rein.
  19. Deckel montieren, Schrauben über Kreuz: 11 Nm.
  20. Fußraste: 35 Nm.
  21. Motor außen reinigen, 3 Liter Öl rein.
  22. Probelauf — auf Dichtheit prüfen.
  23. Ölstand kontrollieren, auffüllen, Probefahrt, nochmal prüfen.

Fertig. Und dann — dann fährst du los und denkst: hat die immer so geklungen? So ruhig, so satt, so rund?

Nein. Hat sie nicht. Das ist der Unterschied.


Disclaimer

Ich übernehme keine Haftung für Schäden die beim Nachbauen entstehen. Wer sich nicht sicher ist: lieber eine Werkstatt suchen — eine gute. Ihr wisst jetzt wie ihr erkennt ob es eine gute ist. 😄

Viel Spaß beim Schrauben.

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