


Harley Davidson FXST C — Karl
Es gibt Motorräder die man kauft. Und es gibt Motorräder die man verdient.
Karl war verdient.
6.600 Euro und eine klare Ansage
Die VN 800 war fertig. Komplett. Mathilda stand da, sah aus wie eine Panzerplatte auf Rädern — und es gab nichts mehr zu tun. Kein Projekt mehr, keine Baustelle, keine Idee die noch umgesetzt werden musste.
Also: verkauft.
3.600 Euro für die Maschine. Nochmal 3.000 Euro an Teilen — GS, CB, VN, alles was noch rumlag, getauscht, verkauft, weggegeben. Gitarren, Amps, Zeug das ich aus sentimentalen Gründen behalten hatte — weg. Am Ende: 6.600 Euro in der Hand.
Und die Frage: Was nun?
Die Antwort war eigentlich schon immer klar.
Dieses Geräusch.
Wer als Kind zum ersten Mal eine Harley Davidson hört — dieses tiefe, unregelmäßige Potato-Potato-Potato das sich durch den Brustkorb arbeitet — der vergisst das nicht mehr. Ich hab das nicht vergessen.
Also: Harley. Aber welche?
Ich ruf den Leppy an.

Einer meiner besten Freunde, wohnt in der Schweiz, kennt Motorräder wie ich Gitarren kenne. Und er ist genau wie ich — „Tu was ich sage, nicht was ich tue.“ 😄 Seine Antwort: Harley Dyna FXD.
Ich schau mir Dyna-Modelle an. Und nee. Irgendwie nicht.
Softail muss es sein. Das Gefühl, die Linie, die Art wie sie dasteht. Softail.
Der Motor — nur einer zählt
Als Musiker weiß ich: „Made in USA“ ist für bestimmte Baujahre und bestimmte Vorbesitzer ein Qualitätsmerkmal. Für andere nicht. Also: welches Baujahr?
Die Antwort ist eindeutig. Der Evolution Motor — und zwar nach 1990. Der Evo ist der einzig wahre Harley-Motor. Ausgereift, robust, ehrlich. Und ab 1996 nochmal besser: Harley stellte auf wasserdichte Deutsch-Stecker um, modernisierte Schalter und Bremszylinder. Keine fauligen Steckverbindungen mehr die dir die Elektrik zerfressen.
Also: Softail, Evo, ab 1996.
Und dann: welche Softail? Fat Boy? Nein. Die fährt jeder. Mode-Ding, fette Reifen, für Fotos gemacht. Ich will fahren — nicht posieren.


Die FXST C
Schmales Vorderrad. Sportlicher Lenkkopfwinkel, 32 Grad — echter Chopper-Stil ohne Kompromisse. Die FXST C ist nicht die lauteste im Raum. Aber sie ist die richtige.
Und dann finde ich sie.
Aus erster Hand. 30.000 Kilometer. Einmal im Jahr zum Gardasee und zurück, alle zwei Jahre zum TÜV-Schrauber. Mehr nicht. Der Vorbesitzer: 10.000 Euro.
Ich hatte 6.600. Es fehlte noch was.
Die Goldmünze
Dann starb mein Vater.
Wir hatten ein seltsames Verhältnis — vielleicht erzähl ich das irgendwann. Was ich erbte: eine Viertel-Unze American Eagle Goldmünze.
Ich haderte. Es war mein Erbe, das letzte greifbare Ding. Aber dann dachte ich an das Grundstück in Töpchin — unser Vermächtnis, zurück aus DDR-Hand. Das hätte mir gehört. Meine Oma Wendling hatte das so gewollt. Meine Eltern dachten anders. Also: was soll’s.
Verkauft. 8.000 Euro.
Und damit war der Name eigentlich schon gesetzt. Mein Vater hieß Carl.
Pfaffenhofen — der Deal
Zum Gerüstbauer nach Pfaffenhofen. Der Verkäufer selbst ist nicht da — ein junger Typ empfängt mich. Nett, aber sichtlich unsicher. Ich: keine Ahnung von Harley, aber frech genug das nicht zu zeigen.
Also fang ich an zu reden. Rutteln. Ziehen. „Ach, ich weiß nicht…“ Die Maschine springt nicht an.
Innerlich: Freude. Außen: ruhig.
Dann die erste Fahrt. Ich setze mich drauf. Erster Gang rein.
KLACK.
Und dann diese Power. Diese Sattheit. Dieser Zug der dich einfach nach vorne schiebt ohne zu zerren, ohne zu reißen — einfach da. Kraftvoll, ruhig, souverän.
Das ist Motorradfahren, dachte ich.
Zurück zum jungen Typ: „8.000. Mehr gibt’s nicht.“
Er ruft an. Verkäufer sagt okay.
Ich: „Und mir bringen. Nach Ingolstadt.“
Dem jungen war das dann doch zu peinlich — er hat sie persönlich gebracht. Übermorgen stand Karl vor der Tür.
Was dann kam — Karl wird Karl
Flüssigkeiten raus, frisches rein. Dann Stück für Stück: Zündung, Luftfilter, Sitzbank, Lenker. Zwei Werkstatt-Lektionen — eine teure, eine gute. Und am Ende ein Vegvísir auf der Werkzeugtasche, der isländische Wegweiser der dich sicher nach Hause bringt.
Die ganze Schrauber-Geschichte — jedes Teil, jedes Öl, jede Empfehlung: [Die Schrauber-Seite →]
Carl. Karl. KARL.
Der SCANDALRIDER und sein Bike.
Technische Daten
- Motor: 1340 ccm, Evolution V-Twin, luftgekühlt
- Baujahr: ab 1996
- Rahmen: Softail FXST C
- Lenkkopfwinkel: 32 Grad
- Vorderrad: schmal, Chopper-Stil