Wie ich Schlosser wurde
Ich war 15, und mein Vater fragte, was ich mit meinem Leben machen will.
Ich sagte: „Ich will Musik machen!“
Tja. Also musste ich mir sofort eine Lehrstelle suchen. Oder irgendwas.
Das erste Nein
Erst wollte ich Polizist werden. Aufnahmeprüfung: bestanden.
Dann sagten sie, ich müsste dafür Deutscher werden. Den amerikanischen Pass abgeben.
Damals — ich betone: damals — kam das nicht in Frage.
Also Fachoberschule für Elektrotechnik. Aufnahmeprüfung: bestanden. Ab September. Alles tutti.
Dann meine Eltern: „Wir ziehen um.“ Mal wieder. Ingolstadt.
Anmeldefrist für die Fachoberschule dort: verpasst. Und ein Jahr rumsitzen? „Ist nicht“, meinte Dad.
Arbeitsamt, Ingolstadt
Ich wollte Zweiradmechaniker werden. Oder wenigstens Automechaniker.
Das Arbeitsamt hatte: Heizungsbau. Oder Spengler.
Heizungsbau.
Bereut habe ich davon nichts — da habe ich meine Schweißprüfungen gemacht, IHK, Elektro und Autogen. Schweißen kann ich bis heute.
Aber der Betrieb. Der Chef machte alle fünf Jahre Konkurs. Kaufte dann seine eigene Konkursmasse zurück — und die offenen Aufträge musste ja jemand fertig machen. Komisch. Aber geht irgendwie in Deutschland.
Mein erster Anschauungsunterricht in kaputten Systemen. Ich wusste damals nur noch nicht, dass ich mal beruflich auf so etwas schauen würde.
Nippel schneiden
Im zweiten Lehrjahr war es so weit: Konkurs. Ich wurde „geparkt“ — bei einem anderen Heizungsbauer in Ingolstadt.
Der Winter kam, und im Winter mussten die Stifte — die Lehrlinge — Nippel schneiden. Rohrreste, am Ende ein Gewinde. Nippel halt.
Naja. Ich nicht. Von den Gesellen, die uns Stifte „bewachten“, traute sich keiner, MIR das anzuschaffen. Ich saß bei ihnen rum.
Eines Tages kam ein „Praktikant“ in die Werkstatt. Setzte sich einfach zu uns.
Einer der Gesellen zu mir: „Was geht? Der setzt sich einfach so hin?“
Ich zum Praktikanten: „Eh — Nippel schneiden!“
Der Praktikant: „Kannst mich mal!“
Ich stand auf, nahm ihn an der Latzhose und hängte ihn ans elektrische Garagentor. Und machte es auf. Und zu. Auf. Und zu.
Die ganze Werkstatt lachte. Es war so lustig.
Bis der Chef kam und fragte, warum sein Sohn vom Garagentor runterhängt.
Dann wurde ich Schlosser.
Wahre Geschichte.