Meet the Funderburk’s

Eine Familiengeschichte zwischen Kontinenten
Es gibt Familien, deren Geschichte nicht in einer geraden Linie verläuft, sondern wie ein Strom: mit Nebenarmen und Wirbeln, mit leisen und lauten Passagen – und mit Zuflüssen, die das Ganze immer wieder neu formen. Die Familie Funderburk ist eine solche Familie. Ihre Wurzeln reichen von den Feldern South Carolinas in die märkischen Dörfer rund um Töpchin und Königs Wusterhausen, von den Steillagen der Mosel bis in Werkhallen und Probenräume in Ingolstadt. Was sie zusammenhält, ist der Wille, aus jeder Lage etwas Eigenes zu machen – mit Haltung, mit Arbeit und mit Herz.
Lancaster, South Carolina – Name und Herkunft
In der Landschaft der amerikanischen Südstaaten trägt die Familie Funderburk einen deutschen Namen – und erzählt doch eine afroamerikanische Geschichte. Überliefert ist die Verbindung zu einem weißen Vorfahren namens Heinrich von der Burg und einem in die Sklaverei gezwungenen Kind; mit den Umbrüchen der Lincoln‑Zeit öffnet sich für diese Linie der Weg in die Freiheit. Daraus wächst die afroamerikanische Funderburk‑Gemeinschaft in Lancaster County heran – zunächst rechtlos, dann über einen langen, mühsamen Weg in Richtung Selbstbestimmung.
Über die Blakeney‑Linie bewahrt die Familie zudem eine Cherokee‑Spur. Sie ist mehr als eine biografische Randnotiz: ein inneres Koordinatensystem, das lehrt, Herkunft nicht als Entweder‑Oder, sondern als gelebtes Sowohl‑als‑Auch zu begreifen.
Carl und Bertha – das soziale Rückgrat
Carl und Bertha Funderburk werden zu Ankerfiguren. Nicht, weil sie Reichtum anhäufen, sondern weil sie Zugehörigkeit stiften. Sie eröffnen Kindern Lernräume, schaffen ein Klima, in dem Bildung, gegenseitige Unterstützung und Respekt mehr zählen als Herkunft oder Hindernisse. Aus ihrem Einfluss entsteht eine Generation, die sich in Lehre, Landwirtschaft, Handwerk, Unternehmertum und Kunst behauptet – getragen von Werten wie Integrität, Verantwortung und gegenseitiger Achtung.
Ellison Funderburk, der Geschichtenerzähler der Familie, gibt diesem Fundament eine Stimme. Er bewahrt die Erzählungen – von den harten Jahren, den kleinen Siegen und den Regeln des Anstands – und führt sie als mündliche Chronik fort. Erinnerung wird so zu einer Ressource.
Dienst an der Nation – Carl Funderburk Jr.
Die amerikanische Geschichte fordert den Funderburks viel ab – und erhält viel zurück. Carl Funderburk Jr. dient als Sergeant First Class in Korea und Vietnam und wird mit dem Bronze Star ausgezeichnet. Er gehört zu jener Generation afroamerikanischer Soldaten, die in Uniform Pflichten erfüllen, während zu Hause die Bürgerrechte erst erkämpft werden müssen. Sein Weg führt ihn über Fort Dix in New Jersey nach Deutschland – der Moment, in dem die Familiengeschichte endgültig transatlantisch wird.
Töpchin und Königs Wusterhausen – die märkische Linie Schmitzdorf
In Brandenburg steht der Name Schmitzdorf/Schmidtsdorf/Schmidsdorf seit Jahrhunderten für Lehnschulzen – ortsständige Amtsträger, die organisieren, vermitteln und Verantwortung übernehmen. Die Nähe zum Jagdschloss Königs Wusterhausen unter König Friedrich Wilhelm I. prägt die Region: Obst‑ und Baumgärten, Hofküche und Versorgung bilden ein dichtes Geflecht von Pflichten und Wegen. In dieser Welt sind die Schmitzdorfs zu Hause.
Aus dieser Linie ragt Max Schmidtsdorf heraus, Lokführer in Töpchin/Königs Wusterhausen – ein Beruf, der Verlässlichkeit, Technik und Takt verkörpert. Seine Tochter Margot Wendling, geb. Schmitzdorf, schlägt an der Mosel Wurzeln und arbeitet im Weingut Dr. Melsheimer in Traben‑Trarbach, einem Haus mit traditionsreicher Geschichte und markanter Architektur am Moselufer.
Westfalen, Altmark, Paderborn – die Wendling‑Spur
Der Name Wendling führt die Erzählung in den Kirchenraum. Die Familienüberlieferung nennt einen „Dompropst“ – eine Bezeichnung, die historisch präzisiert werden will: Unna besitzt kein eigenes Domkapitel, kirchenrechtlich gehört die Stadt zum Erzbistum Paderborn. Was als „Dompropst zu Unna“ weitergegeben wurde, dürfte daher eher einen Propst oder Dechanten im westfälischen Kirchengefüge meinen, dessen Rang sich im Familiengedächtnis im Titel „Dompropst“ verdichtet.
Dass 1926 in Tangermünde eine katholische Kirche vom Paderborner Dompropst benediziert wurde, erklärt, warum sich „Dompropst“ und „Tangermünde“ in den Erzählungen kreuzen: zwei Linien, die sich im Echo überlagern, ohne einander zu widersprechen.
Christa Lieselotte Funderburk (geb. Wendling) – Verantwortung als Lebensform
Mit Christa Lieselotte Funderburk, geb. Wendling, schlägt die Familiengeschichte eine Brücke nach Deutschland. Sie wächst in Bernkastel an der Mosel auf und wird Krankenschwester – ein Beruf, der Nähe, Fachlichkeit und Verantwortung bündelt. Stationen wie Wartaweil am Ammersee öffnen ihr Einblicke in die bayerische Nachkriegsgesellschaft.
Als Zeugin im Vera‑Brühne‑Prozess Anfang der 1960er Jahre steht sie an der Peripherie eines der aufsehenerregendsten Strafverfahren der Bundesrepublik, dessen Hauptverhandlung 1962 in München begann und mit lebenslanger Haft für Vera Brühne endete. Später arbeitet Christa als Stationsschwester in einem Seniorenheim an der Sebastianstraße in Ingolstadt – Verantwortung im Dienst am Menschen, täglich, verlässlich, unprätentiös. In ihr verbinden sich die Linien Wendling und Schmitzdorf, und durch die Ehe mit Carl Funderburk Jr. verschränken sich die US‑amerikanische und die deutsche Geschichte.

Literatur, Orden, Verwandtschaft – weite Horizonte
Die Familienerzählung kennt große Namen und weit gespannte Bezüge. Zum Dichter Gottfried August Bürger führt der Weg über Heiraten und das Milieu von Pastoren, Amtleuten und Bildungsbürgern; ein 1937 gedruckter Stammbaum im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig dient als Referenzpunkt für diese Linien.
Auch der Hinweis auf Bezüge zum Deutschen Orden im Umfeld der Schmitzdorf(e) verweist tief in die brandenburgische Lehns‑ und Ordensgeschichte – ein Geflecht aus Akten, Urkunden und Traditionen, das von der Familie mit Geduld weiter erforscht werden kann.
Carlo – zwei Welten, ein Klang
Carlo ist der Punkt, an dem sich zwei tektonische Platten berühren und zu etwas Drittem werden. Auf der einen Seite das afroamerikanische Erbe aus den Carolinas – innere Kraft, Rhythmusgefühl, Stolz. Auf der anderen Seite die deutsche Linie – Pflichtbewusstsein, Genauigkeit, Sinn für Struktur.
In Ingolstadt verschmelzen diese Ströme in Musik: Projekte wie Macbeth (mit Tom Glas), The SCANDAL Rock Band oder Next Choice machen die biografische Mischung hörbar. Jede Band, jede Bühne wird zur Synthese – Southern‑Rock‑Temperatur auf bayerischem Boden, getragen von europäischer Präzision.

Was bleibt
Am Ende steht kein Erbe, das vor allem Besitz meint, sondern eines, das Haltung bezeichnet. Die Funderburks – ob in Lancaster, Töpchin, Bernkastel oder Ingolstadt – zeigen, wie man Herkunft nicht als Fessel versteht, sondern als Kraftquelle. Wie man mit geradem Rücken durch wechselnde Zeiten geht. Wie man lernt, sich selbst zu gehören – und anderen ein Zuhause zu bieten.
Stammblatt (kompakt)
- USA (South Carolina): Afroamerikanische Funderburk‑Linie; Überlieferung zu Heinrich von der Burg und einem in der Sklaverei geborenen Kind; Cherokee‑Wurzeln über die Blakeney‑Familie.
- Carl Funderburk Jr.: Sergeant First Class, Bronze Star, Korea/Vietnam; Stationierung in Fort Dix (New Jersey) und anschließender Einsatz in Deutschland.
- Brandenburg (Töpchin/Königs Wusterhausen): Schmitzdorf(e) als Lehnschulzen; Nähe zu Obst‑ und Baumgärten sowie Hofküche des „Soldatenkönigs“; Max Schmidtsdorf als Lokführer.
- Mosel: Margot Wendling, geb. Schmitzdorf, arbeitet im traditionsreichen Weingut Dr. Melsheimer in Traben‑Trarbach; Christa Lieselotte Funderburk, geb. Wendling: Krankenschwester in Bernkastel, Zeit in Wartaweil, später Stationsschwester in Ingolstadt, Zeugin im Vera‑Brühne‑Prozess.
- Kirche: Wendling im westfälischen Kirchenumfeld (Propst/Dechant wahrscheinlich); „Dompropst“ als familiärer Ehrentitel; Bezug zur Benediktion einer Kirche in Tangermünde durch den Paderborner Dompropst 1926.
- Carlo: Musik als verbindendes Element der Linien – Next Choice, Macbeth, The SCANDAL Rock Band.
Ausblick
Diese Familienchronik versteht sich nicht als Schlussstein, sondern als offenes Tor. Sie zeigt, woher die Funderburks kommen – und warum sie sind, wie sie sind. Sie lädt ein, das Bewahrte zu ehren, das Fehlende zu suchen und das Kommende mitzugestalten. Denn Familien sind – wie Flüsse – dort am eindrucksvollsten, wo sie neue Landschaften schaffen.