— oder: warum ich zu viel war. Und genau richtig.
Nach Carl Rogers kam Ned Herrmann. Und ein Test.

Das HBDI — Herrmann Brain Dominance Instrument. Es misst wie dominant die vier Denkweisen in dir sind: analytisch, konzeptionell, praktisch, emotional. Gute Werte liegen bei 30-35 pro Quadrant. Ausgeglichen. Harmonisch.
Ich hatte 50-60.
Romy schaute mich an: „Da musst du was machen. Das ist nicht gut. Du musst runter.“
Ich dachte: Quatsch.
Wobei — ehrlich gesagt war es André der mir die Augen geöffnet hat. Er meinte dasselbe. Und irgendwie ver-stand ich es bei ihm.
Das sagt mehr über Kommunikation als jeder Theorietext.
Nicht weil Romy falsch lag. Sondern weil ich bei André in diesem Moment ver-standen habe was das Modell wirklich sagt: es geht nicht darum weniger zu sein. Es geht darum ausgeglichen zu sein. Die Kunst ist nicht Reduktion — die Kunst ist Balance.
Und dazu muss man zuerst wissen wo man steht. Bei sich. Genau das.

Die vier Quadranten
Ned Herrmann beschrieb vier grundlegende Denk- und Handlungsenergien die in jedem von uns vorhanden sind — in unterschiedlicher Stärke:
Quadrant A — Der Analytiker Rational, logisch, faktenbasiert. Präzise Problemlösung. Kann kalt wirken und sich in Details verlieren.
Quadrant B — Der Konzeptionelle Kreativ, visionär, innovativ. Denkt über Grenzen hinaus. Verliert manchmal den Boden unter den Füßen.
Quadrant C — Der Praktiker Strukturiert, verlässlich, lösungsorientiert. Bringt Projekte zu Ende. Kann starr und wenig offen für Veränderung sein.
Quadrant D — Der Emotionale Empathisch, verbindend, menschlich. Stärkt Beziehungen. Kann überempfindlich sein und Objektivität verlieren.
Das Zusammenspiel
Jeder Quadrant steht in Relation zu den anderen. Analytiker und Konzeptionelle liefern Ideen und prüfen sie. Praktiker setzen um. Emotionale halten den menschlichen Aspekt im Blick.
Wenn ein Quadrant dominiert entsteht Ungleichgewicht:
- Zu viel Analytik: Kälte, Inflexibilität
- Zu viel Konzeption: Chaos, unrealistische Pläne
- Zu viel Pragmatik: Starrheit, Innovationsfeindlichkeit
- Zu viel Emotion: fehlende Objektivität
Die Stärke liegt in der Balance. Nicht im Weniger. Im Ausgeglichen-Sein.

Die Verbindung zum Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun
Hier wird es richtig interessant. Schulz von Thun beschreibt dass wir Botschaften immer auf vier Ebenen gleichzeitig wahrnehmen:
Sachinformation — Was wird sachlich mitgeteilt? Selbstoffenbarung — Was sagt der Sprecher über sich selbst? Beziehungsebene — Wie steht der Sprecher zu mir? Appell — Was soll ich tun?
Und jetzt kommt die Verbindung zu Herrmann die mich wirklich begeistert hat:
Die vier Quadranten korrespondieren mit bestimmten Ohren. Analytiker hören vor allem auf der Sachinformationsebene. Konzeptionelle und Emotionale sind besonders sensibel für die Beziehungsebene. Praktiker fokussieren sich stark auf die Appellebene.
Plötzlich ergibt vieles Sinn.
Wenn ein Emotionaler sich übergangen fühlt obwohl niemand etwas Böses gemeint hat — vielleicht hat der Analytiker nur die Sachbotschaft gehört und alles andere übersehen. Kein böser Wille. Einfach andere Ohren.
Das erklärt so viele Konflikte die ich in meinem Leben erlebt habe. In der Band. Im Beruf. Im Privaten. Alle hatten dasselbe Gespräch — und alle haben etwas anderes gehört.

Was ich dabei gelernt habe
Drei Modelle — Herrmann, Rogers, Schulz von Thun — und alle sagen dasselbe auf unterschiedliche Art:
Verstehe dich selbst. Verstehe wie andere denken und fühlen. Passe deine Kommunikation an.
Mit Analytikern spreche ich in Fakten. Mit Konzeptionellen lasse ich Raum für Ideen. Mit Praktikern biete ich Struktur. Mit Emotionalen höre ich zu.
Das ist keine Manipulation — das ist Empathie in der Praxis.
Der Test hat mir gezeigt wo ich stehe. 50-60 bedeutet viel Energie in alle Richtungen. Das ist nicht falsch — es muss nur bewusst gesteuert werden. Sonst wird aus Stärke Überwältigung. Für mich und für andere.
Erst wenn ich das bei mir kenne — erst wenn ich mich selbst in meiner Gesamtheit verstehe: rational, kreativ, strukturiert und emotional — kann ich wirklich mit anderen kommunizieren. Zusammenarbeiten. Echte Harmonie schaffen.
Empathie ist der Schlüssel der alle Quadranten verbindet.
Aber zuerst: ich.

Fazit: Balance durch Empathie und Kommunikation
Die Verbindung von Herrmanns Vier-Quadranten-Modell mit Rogers‘ Empathie-Theorie und Schulz von Thuns Vier-Ohren-Modell zeigt mir, wie entscheidend es ist, sowohl Denkweisen als auch Empfindungen zu berücksichtigen. Die Stärke liegt darin, nicht nur die Stärken und Schwächen der Quadranten zu akzeptieren, sondern auch empathisch auf ihre Bedürfnisse einzugehen.
Erst wenn wir uns selbst und andere in ihrer Gesamtheit verstehen – rational, kreativ, strukturiert und emotional –, können wir effektiv kommunizieren, zusammenarbeiten und echte Harmonie schaffen. Empathie ist dabei der Schlüssel, der alle Quadranten verbindet.