Ich bin O.K. – Du bist O.K. – Eric Berne

Nach „Weg von — Hin zu“ war dieser Schritt fast logisch. Fast.

Denn was nützt mir der beste Vektor wenn ich mir selbst nicht glaube dass ich gut genug bin um das Ziel zu erreichen?

Ich erkannte in der Ausbildung etwas Unbequemes: Aufgrund meiner Erziehung konnte ich mir nie wirklich etwas recht machen. Ich war mir selbst nie gut genug. Während andere im Kurs versuchten die anderen zu durchschauen — ihre Muster zu analysieren, ihre Reaktionen zu erklären — suchte ich nur bei mir.

Was nützt es mir wenn ich meine den anderen durchschaut zu haben? Da hab ich doch gar nichts verstanden.

Veränderung braucht fruchtbaren Boden. Und der entsteht nicht wenn ich den anderen analysiere. Er entsteht wenn ich bei mir anfange.

Eric Berne und die Transaktionsanalyse

Eric Berne — Kanadier, Mediziner, Psychiater — entwickelte in den 1960er Jahren die Transaktionsanalyse. Nicht als akademisches Konstrukt sondern als praktisches Werkzeug um zu verstehen wie Menschen miteinander kommunizieren. Wie sie aneinander vorbeireden. Warum dasselbe Gespräch mal funktioniert und mal eskaliert.

Thomas Harris beschreibt eine Transaktion so:

„Eine Transaktion ist gewissermaßen ein seelischer Geschäftsabschluss zwischen zwei Menschen. Der eine bietet etwas an, der andere steigt in das Geschäft ein und zahlt in entsprechender Währung zurück.“

Jede Interaktion ist ein solcher Tausch. Und was du anbietest hängt davon ab aus welchem Ich-Zustand du gerade sendest — und in welchen du beim anderen landest.

Die vier Grundeinstellungen

Berne erkannte dass Kinder bereits im dritten Lebensjahr eine grundlegende Überzeugung über sich und andere entwickeln. Diese Überzeugung prägt alles — bis man sie bewusst verändert.

Ich bin nicht O.K. — Du bist O.K. Ich bin hilflos, der andere ist die Quelle von Fürsorge. Enthält noch Hoffnung — aber macht abhängig. Das war lange mein Muster.

Ich bin nicht O.K. — Du bist nicht O.K. Hoffnungslosigkeit. Entsteht wenn Fürsorge plötzlich entzogen wird und Bestrafung an ihre Stelle tritt.

Ich bin O.K. — Du bist nicht O.K. Ich erhöhe mich, werte andere ab. Entsteht oft als Schutzreaktion auf Verletzungen.

Ich bin O.K. — Du bist O.K. Die einzige dieser vier die eine bewusste Entscheidung ist. Keine automatische Reaktion — sondern eine aktive Wahl. Basierend auf Denken, Glauben und Engagement.

Wie das in der Praxis aussieht

Ein Projektleiter vor einem schwierigen Gespräch mit einem Auftraggeber der nur auf Einsparungen fokussiert ist und arrogant auftritt:

„Warum soll ich es versuchen — er nimmt mich sowieso nicht ernst.“ → Ich bin nicht O.K. — Du bist nicht O.K. Resignation.

„Ich werde ihn zwingen meine Vorschläge zu akzeptieren.“ → Ich bin O.K. — Du bist nicht O.K. Dominanz. Eskalation vorprogrammiert.

„Er hat die Macht — ich kann sowieso nichts ändern.“ → Ich bin nicht O.K. — Du bist O.K. Unterwerfung.

„Ich werde ihn trotz seiner Haltung von den Vorteilen überzeugen.“ → Ich bin O.K. — Du bist O.K. Augenhöhe. Sachliche Argumente. Echter Dialog.

Die letzte Einstellung ist nicht naiv. Sie ist die mutigste von allen.

1. Ich bin nicht o.k. – Du bist o.k.

Diese erste Einstellung basiert auf den Erfahrungen des ersten Lebensjahres. Ein Kind, das sich von der Fürsorge anderer abhängig fühlt und sich selbst als hilflos wahrnimmt, kommt zu dieser Lebensanschauung. Sie beinhaltet jedoch Hoffnung, da das Kind in den anderen eine Quelle von Fürsorge erkennt.

2. Ich bin nicht o.k. – Du bist nicht o.k.

Diese Einstellung entsteht häufig bei Kindern, deren Bezugspersonen kalt und abweisend sind. Das Streicheln und die Anerkennung, die das Kind im ersten Lebensjahr erfahren hat, werden plötzlich entzogen, und Bestrafungen treten an ihre Stelle.

Was ich dabei gelernt habe

Ich bin O.K. bedeutet nicht dass ich perfekt bin. Es bedeutet dass ich gut genug bin — mit meinen Stärken und meinen Schwächen — um auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Das klingt selbstverständlich. Für viele ist es das nicht. Für mich war es ein Prozess.

Aber erst wenn dieser Boden bereitet ist — erst wenn ich O.K. mit mir bin — kann echte Veränderung beginnen. Für mich. Und im System um mich herum.

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